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Von der Einsamkeit in ein noch zu entdeckendes Städtchen

IMG_476_20261002-222147_1 Zurück in Kroatien: Naturschutzgebiet

Ploče–Dubrovnik 
110 km, 1192 hm, ø21,6 km/h

Die Unterkunft in Ploče ist die erste, die ich so ein bisschen als schäbig bezeichnen würde: kein wirkliches Fenster, nur Milchglas zum gedeckten Aussengang, Duft nach Zitrusputzmittel im Zimmer, den ich mit dem näselnden Badzimmerventilator auch nicht rausbringe, ein Stuhl, der beim Zmorgekafi (ich bevorzuge den eigenen Pülverlikafi dem, der da im Schaft steht) auseinanderfällt.

Was man dann auch wieder sagen muss: Ausser, dass mich die eine Mücke eine Zeit lang sehr genervt und vom Schlaf abgehalten hat, habe ich mich gut erholen können.

Architekturhighlight in Ploče

Dann runter zum Plodine (Supermarktkette in Koratien), um das Nötigste einzukaufen, und noch ein Gipfeli und einen rechten Kafi im angehängten Imbiss.

Ausblick vom Plodine-Parkplatz in Ploče

„Los gehts“, sagt das Handy sonst amigs. Aber es hat auf unerfindlichen Gründen aufgehört, mit mir zu sprechen.

Traumetappe. Zuerst entlang einem Fluss zur Küste, dann durch eine Ebene, die mit kleinen Seen, Weihern und Kanalsystemen durchsetzt ist, die wohl dem Reisanbau dienen. Und alles flach, dazu wohl etwa 1,5 Memf Rückenwind. Aber auch schon das hilft, Kraft zu sparen und trotzdem vorwärtszukommen – die Hügel kommen ja schon bald, und wie immer tun sie das recht zackig.

Küste vor Ploče
Blick auf die mit Kanälen und Seen durchsetzte Ebene
Kleines Dorf am Rand der Ebene

Die erste richtige Steigung führt mich hinauf zur D8 (die alte Bekannte). Aber diese gibt sich heute etwas kratzbürstig. Steil steigt es weiter, und heute werde ich einige Male unangenehm nahe überholt. So Bruchteile von empfohlenen 1,5 Metern. Ein bisschen kühler, und ich hätte mir den Schnupfen geholt von der Zugluft der sich vorbeizwängenden Sattelschleppern.

Wieder mal von oben


Sobald es flacher wird, ist alles entspannt. Und macht heute auch so richtig Spass. Scheint alles voll im Flow zu sein. Ich will vorwärts kommen, das Velo ist einig mit mir, und der Wind unterstützt uns – Memf-Skala 2,5. 

Meine Route führt mich heute knapp zehn Kilometer durch Bosnien-Herzegowina, dieses bisschen an Meeranstoss haben sich die BiHs (Autokürzel BiH) wohl in einem – neudeutsch – Deal erkämpft. (Das waren noch Zeiten, als man so Verträge noch Abkommen oder eben Verträge genannt hat. Heute ist alles Deal.)

Auf der kurzen Strecke hat es ein paar Dörfer, ein recht mondänes Hotel in einer kleinen Stadt. Und dann ist aber schon wieder Grenze angesagt.

Ich werde heute übrigens das allerstersteste Mal gefilzt bei einem terrestrischem Grenzübertritt. Die Bosnier wollten also genau wissen, was ich alles zum Rauchen, Trinken, Schiessen, Pfeffersprayen und sonstigem unerwünschtem oder illegalem Getue mitführe, als ich die zehn Kilometer in Angriff nehmen will.

Alle Taschen musste ich zunderobsi bringen, in jedes Säckli haben sie reingeguckt, Ich war am Schluss schon fast selbst erstaunt, dass sie nichts gefunden haben und mich so halb freundlich, halb widerwillig fahren liessen.

Drüben befindet sich die Insel Klek, die zu Kroatien gehört, ich bin aber in Bosnien-Herzegowina.

Ich fahre dann durch ein malerisches Naturschutzgebiet. Bis die Strasse wieder in die D8 einfädelt (die schlängelte sich statt durch Bosnien-Herzegowina über die vorgelagerte Insel Klek).

Obwohl der Verkehr wieder ganz ordentlich ist, komme ich entspannt Richtung Dubrovnik. Den Rückenwind würde ich auf der Skala mal auf gute 3,5 schätzen. Da werden sanfte Steigungen fast schon zu Abfahrten. Nur wenn es über 2% ist, dann spüre ich den Widerstand in den Pedalen zunehmen.


Man dachte schon vor Längerem auch für die Touristen.

Wie üblich: Die letzten Kilometer sind einfach meistens so viel länger als die vorherigen. Weiss gar nicht, an was das liegt. 

Dubrovnik empfängt mich mit einer schönen Brücke, einer schönen Aussicht und einer krassen Steigung oben an der Stadt durch. So eine Art Übersicht ohne Stadtrundfahrt. Aber ich: keine Ahnung, weisch. Irgendwie – mit Google halt – finde ich die Adresse. Aber viel habe ich nicht gesehen, ausser ganz vielen Autos, Einspurstrecken, Schlaglöchern, tiefergelegten Dolendeckeln, Rotlichtern, und so ein paar Touristen halt.

Aber über Dubrovnik, da schreib ich dann morgen ein bisschen. Habe einen velofreien Tag eingezogen.

Dubrovniks Eingangspforte
Das kleine, beschauliche Städtchen darf noch entdeckt werden vom Massentourismus
Blick ins Irish Pub mit Livemusik. Auch gut für ein klassisches Fish&Chips.
3
Über Übertourismus
Selbst gefahren
 

Kommentare 1

Gäste - Nik am Samstag, 03. Oktober 2026 11:58

Hast du den Bosnischen Grenzbeamten etwa erzählt, dass du ein Klavier dabei hast?
Sehr schönes bild mit dem Sonnenstrahl und Segelschiff.

Hast du den Bosnischen Grenzbeamten etwa erzählt, dass du ein Klavier dabei hast? Sehr schönes bild mit dem Sonnenstrahl und Segelschiff.
Samstag, 03. Oktober 2026

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