Das erste Mal
Innsbruck–Brenner–Schabs
99,4 km, ø17,7 km/h, 1797 hm
Nach kurzer Verfahrerei finde ich den Einstieg in den Brenner. In den ersten gut 10 Kilometern sticht die Strasse hinauf nach Patsch, und die etwa 400 Höhenmeter, die da schon mal zusammenkommen, treiben den Schweiss aus den Poren.
Danach gehts aber über viele Kurven und den Hängen nach stetig, aber weit weniger anstrengend Richtung italienische Grenze. Der berühmte Flow halt. Und das Wetter ist so grad gar nicht dürftig. Warm – für die Jahreszeit wohl eher heiss –, Sonnenschein und, ich gebs ja zu – immer ein bisschen Rückenwind.
Erst gegen Schluss – die Veloroute führt nun der alten Passtasse nach, die immer noch rege gebraucht wird – wird es wieder recht steil.
Oben, in der Ortschaft Brenner, ist dann mal Zeit, um etwas zu essen – und auch noch grad eine Weile sitzen zu bleiben, grad in der ersten Beiz in Italien – oder im Südtirol. Ist das nun schon in Italien oder eben doch eine Art Österreich, einfach jetzt mit italienischem Kaffee, mehr Pizza und Pasta und mit Häuser mit italienischer Flagge, deren Bewohner wohl selbst nicht wissen, wie sie sich nun identifizieren.
Die Pasta und die alkoholfreien (!) Biere tun gut und verführen mich gemeinsam noch zu einem Espresso, einfach, damit ich eine Entschuldigung habe, noch ein bisschen sitzen zu bleiben.
Bergab führt der Radweg zeitweise entlang einer ehemaligen Eisenbahnlinie, die nicht ganz von ihrer Vergangenheit losgekommen ist, durch ein paar Tunnels immer schön dem Hang nach, auch wenn der halt in ein Seitental mündet. Sogar ein paar Signale stehen noch rum und zeugen von der Vergangenheit – wohl extra für die Touristen wie mich, damit sie wissen, wem sie die schöne Piste zu verdanken haben.
Und (fast) stetig nach unten. Da Dias Tal sehr eng ist, muss der Radweg über einige Gegenstieigungen geführt werden: So wird aus der felsigen Abfahrt hin und wieder ein krass steiler velocipeder Fitnesspfad – sozusagen topografisches Intervaltraining. Ein bisschen zermürbend ist das hin und wieder schon: Wer, der vom halbwegs gesunden Menschenverstand auch schon nur etwas gehört hat, erwartet nicht 12% Steigung auf der Abfahrt.
Mit Gegenwind muss man aber einfach rechnen an einem so warmen Tag. Rückenwind bergauf ist toll, Gegenwind bergab nicht ganz so schlimm, aber halt schon ein bisschen.
Die Trockenheit dieses Sommers ist hier nicht so gut sichtbar wie zu Hause in der Schweiz. Es hat vergleichsweise wenig, aber viele kleine Bäche liegen trocken, und auch in den Flüssen, die gute Strömung haben und die typische Bergflussfarbe haben, sind viele Sandbänke und untiefe Stellen und kleine stehende Tümpel zu finden.
In Sterzing resp. Vipiteno bin ich wieder fällig für eine Pause. Der Gegenwind zehrt an Kraft und Laune. Ein Eistee – mit reichlich Wasser verdünnt – bringt die Lebensgeister zurück.
Schon noch ein paar Kilometet bis Schabs, aber das krieg ich auch noch hin.
Einfach: Dort hats weit und breit keinen Campingplatz. Ich erkunde den kleinen Ort ein bisschen, beim Sportplatz über dem Ort befindet sich nebenan ein kleiner Spielplatz. Da würde ich niemanden stören.
Aber zuerst mal was essen.
Kein Restaurant im Ort. Nur eine Raststätte ein paar hundert Meter down the mainroad. Immerhin. Ein Sandwich und ein Schoggi-Muffin werden mich durch die Nacht bringen.
In der Dämmerung fahre ich zurück zum Sportplatz. Der Verein hat grad eine Sitzung im Clubhaus. Zwei Unbeteiligte vor dem Clubhaus laden mich zum Bier ein. Wird schon gehen mit dem Zelt, meinen sie, aber besser den Verantwortlichen etwas sagen.
Etwa nach einer Stunde stand das Zelt, ein lauer Sommerabend.
Ich schlafe schnell ein. Das Geprassel des Regens unterbricht dann meinen Schlaf. Ich höre ein bisschen zu. Versuche weiterzuschlafen. Und dann: startet die Bewässerungsanlage des Sportplatzes. So von der Sorte mit dem Klopfen alle zwei Sekunden und dem Quitschen zum neu ausrichten. Und wenn der Strahl den Zaun des Fussbaldfelds tüpft, dann rieselt eine ziemliche Schwetti auf das Zelt. Das hilft nicht grad beim wieder Einschlafen.
Nach etwa zwei Stunden hats dann sowohl aufgehört zu regnen als auch künstlich zu bewässern. Aber so wirklich ausgeschlafen war ich dann also nicht am nächsten Morgen.
Aber immerhin zum ersten Mal campiert auf dieser Reise. Und dann grad noch so voll wild.
Kommentare 1
Ich springe schnell ein mit dem Text.
Schöne Sprungschanze von Zaha Hadid. Super-Tour machst du Didi. Grad echli niidisch. Weiterhin viel Spass und Power.