An Grenzen
Dubrovnik–Budva
98 km, 1267 hm, ø20,8 km/h
Nach Porridge, etwas Salzigem aus der Pekara (Bäckerei) und zwei Kafi auf dem Platz mache ich um halb zehn den Touristen Platz, die damit beginnen, in die Altstadt zu strömen. Dass ich hoch hinaus muss, wusste ich, dass es so hoch hinaus ist, bringt mich dann doch an Grenzen. Grad mal rassig auf 200 Meter hinauf. Da bekommt man schnell warm. Zumal die Sonne schön mitheizt.
Beim Aufstieg treffe ich auf ein deutsches Rennvelotrio, das wie ich nach Budva unterwegs ist, einfach ohne nix Gepäck.
Die sehe ich dann noch dreimal heute Morgen, bevor sie dann wohl davonziehen, als ich eine längere Trink- und Fotopause einlege nach etwa fünfzehn Kilometern.
Die Strasse schlängelt sich der steilen Küste nach – eine andere Strasse gibts da nicht, das merkt man: Es hat recht viel Verkehr. Die Aussichten machen aber vieles wieder gut, aber ich muss mich recht konzentrieren, durch den Rückspiegel halte ich im Auge, was da von hinten so auf mich zukommt, vorne, wo die Kurven kommen, Schlaglöcher antizipieren, Steigungen und Gefälle, und wenn von hinten was Dickes kommt und von vorne auch etwas, wirds eng. Zwei- oder dreimal entscheide ich mich, anzuhalten, um einen Lastwagen oder Bus vorbeizulassen – angenehmer, als an den Rand gedrückt zu werden.
Kroatien ist auf dieser Strecke zum Teil nur noch ein paar Kilometer breit. Da hats halt wirklich nicht noch Platz für einen Radstreifen.
(Falls das als Kritik verstanden wird: So war es nicht mal gemeint. Oder … nur am Rande, um grad beim Bild zu bleiben. Nein, es hat tatsächlich keinen Radstreifen, nicht mal wirklich so etwas Rudimentäres, weil es wirklich keinen Platz hat. Da müsste man auf der ganzen Länge noch mehr Fels aus dem Berg hauen, um dafür Platz zu schaffen.)
Ein kurzer Mittagsrast in Gruda bringt mich wieder zu Kräften – wobei: So schlimm steht es gar noch nicht um mich. Gruda ist das letzte ernstzunehmende Dorf in Kroatien, bis ich dann wieder mal meine ID zücken muss. Aus Kroatien rauszukommen, dauert recht lang. Der Verkehr staut sich auf etwas auf. Und da ich ich nicht unangenehm auffallen will, stelle ich mich ganz brav in die Reihe. So zwischen Autos und Campern.
Den Grenzübertritt machen sie auch sonst nicht ganz einfach: „Mörderische Steigung“ heisst es auf Komoot. Der oder die das geschrieben hat, ist noch nie von Dubrovniks Altstadt auf die D8-Strasse hochgefahren.
Kommt noch hinzu, dass sich Kroatien so ein bisschen ohne Grund recht lange hinzieht, da kommt nicht mehr wirklich was, das Staatsgebiet ist da in grobem Missverhältnis zur Länge der Staatsgrenze.
Dafür gibts nachher eine etwa zwei Kilometer lange Abfahrt im Niemandsland. Also: Wenn man mal aus Kroatien raus ist, gehts dann zwar weit, aber recht schnell nach Montenegro. Ginge grad noch schneller, wenn man nicht nochmals die ID zücken müsste.
Montenegro beginnt so ein bisschen mit Tessinerflair mit Salz in der Luft. Nach einer kurzen Fährüberfahrt über die Meerenge zwischen Durici und Lepatane ändert sich sich das Landschaftsbild recht schnell. So ein bisschen Limmattalgroove, einfach weniger bebaut.
Kurz vor Budva werde ich noch über einen teuflisch steilen Hoger geführt – bergauf glühe ich, bergab die Bremsen.
Zum Znacht eine Pizza am Hafen, zum Blogschreiben ein Bier in der Altstadt. Und genau die, die schau ich mir morgen früh noch bei Tageslicht an, bevor ich schon wieder eine Grenze überschreite. Oder überfahre.
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