Ljubljana–Crnomelj
100,00 km, 1275 hm, ø19,8 km/h

Die Tage in Ljubljana haben gut getan. Nicht, dass ich die Stadt nun wirklich kennen würde. Aber immerhin. Meine Unterkunft, so eine Art AirBB/Ex-Hotel/Hostel hätte nicht zentraler liegen können. Im Umkreis von wenigen hundert Metern hatte ich da alles, was es braucht, um ein bisschen ausspannen zu können.

Der Flusspromenade entlang . . . naja, halt eben promenieren, da ein Kaffee, dort nochmals einen, wieder schnell zurück ins Hotel, die nächste Gasse abklappern, mal ein Bier am Nachmittag, etwas zu essen, die Zeit verstreichen lassen, die Beine ruhig „heben“. Wobei: Ich konnte es ja nicht wirklich lassen, am Montagmorgen das lokale Hallenbad aufzusuchen, um wieder mal ein paar Längen zu ziehen. Dies eigentlich nur, damit sich Hansj bestätigt fühlt, und vielleicht auch ein bisschen, weil Niggi auch immer so Hallenbadbilder aus ganz Europa in die Welt hinauspostet. Und ja: ganz einfach, weil ich Lust darauf hatte. 

Ich bin fertig. Er macht sich parat.

Ljubljana ist eine schöne Stadt, und sehr fussgänger- und velofreundlich. Und anscheinend klappts ja auch, wenn man mit dem Schlitten nicht vor den Shop längs kann. Die Leute (inklusive Touristen) sind sehr entspannt unterwegs, man macht sich Platz, hat keinen Stress, lieber lächeln als durchboxen, lieber warten als gehetzt auf die Uhr schauen. Mit Englisch kommt man gut durch, da bin ich froh.

Ich hatte keine Lust auf das Abklappern von Sehenswürdigkeiten, darum gibts auch gar nicht so viele stylische Touristenfotos. Ein paar Eindrücke trotzdem:

Aber auch hier wurde aus Sonntagabend irgendwann Mittwochmorgen. Höchste Zeit, die nächste Etappe einzuspeichen.

Nach einem reichhaltigen Zmorge down the river geht es wieder mit ein bisschen Ladehemmung los. Warum? Weiss nicht. Ist noch so ein bisschen kühl vielleicht, aber die Sonne scheint schon. Vielleicht, weil es heute so ein bisschen ins wirklich Unbekannte geht – und es sieht auf der MapOut-Karte auch recht einsam aus. Und die eine Wasserflasche tropft. Da ärgere ich mich dann auch noch ein paar Minuten darüber.

Etwa halb zehn bin ich ausgeschossen mit Ausreden, sitze auf und fahre los – die Stadtausfahrt RIchtung Südost gestaltet sich angenehmer als die Ankunft aus Nordwest.

Landschaften wie im Jura, geschwungene Hügelzüge, Wälder, Wiesen, viel Landwirtschaft, kleine Dörfer. Die Route von Komoot, die sich an einer nationalen Veloroute orientiert,  lässt mich jedes Dorfzentrum kennenlernen, jedenfalls, falls es sich auf einem Hügel befindet und die Strasse dorthin steil ist. 

Immerhin, im pulsierenden Zentrum von Krka finde ich einen schönen Platz für mein Pcknick. In den etwa 45 Minuten, die ich da auf der Bank bei der Bushaltestelle verbrachte, fuhren etwa zehn Autos durch, und es kamen etwa sechs Leute vorbei, von denen mich glaub acht grüssten.

Durch lauschige Wälder dem Himmel entgegen
Oben wär dann ein Dorf.

Ich kämpfte mich weiter von Dorfzentrum zu Dorfzentrum, den Waldrändern nach, wieder runter zum Fluss Višnica, wieder rauf zur Kirche, dann steil runter ins Tobel, Kreuzung, gefühlte 13% Steigung hoch – wegen der Kuhweide, die im Weg ist –, um dann wieder runter, und irgendwann wurde es mir zu blöd, und ich ignorierte das „Route wird neu berechnet … … … Bitte wenden“ und querte den Fluss und stach zur Hauptstrasse hoch. Und kam prompt in Städtchen Zuzemburg. In der Beiz behob ich mein Flüssigkeitsmanko. Und danach blieb ich auf der Hauptstrasse – weil es auch bald gar keine andere Möglichkeit mehr gab.

Ich kam definitiv flüssiger voran, aber ja: Es hatte auch ganz klar mehr Verkehr, der ebenso wie ich vorwärts kommen wollte. Und denen war ich halt manchmal ein bisschen im Weg. Mit dem Gefühl muss man auch umgehen können auf dem Velo. Schliesslich ist man da eigentlich gleichberechtigt.

Im Grossen und Ganzen sind die Autofahrer und -fahrerinnen in Slowenien sehr rücksichtsvoll. So überhaupt ganz allgemein. Am meisten Stress machen die imfall unterdessen in der Schweiz, so mit eng überholen, Vortritt – ob nun explizit oder eher implizit, z. B. weil Radweg parallel zur Hauptstrasse – wird in Slowenien immer respektiert, in Österreich oft, in der Schweiz hin und wieder und . . . In Schottland: selten, aber es bessert.

Burg Zuzemburg

Die grosse Steigung, die mir Komoot angezeigt hat, habe ich wohl plattgefahren. Die ist weg. Bis . . . sie dann eben doch da ist. Gross ist zwar anders. Aber die im Ganzen gut 400 Höhenmeter muss ich mir halt eben doch verdienen. Ausbezahlt bekomme ich dann aber auch eine tolle Abfahrt. Und so langsam habe ich nun das Gefühl, dass das Runterfahren nun nicht durch eine weitere Auffahrt verdorben werden soll, und ich beschliesse, die Karte mal genauer zu konsultieren: 

Crnomelj liegt nahe. Hat Restaurants. Und gemäss MapOut eine Jugi. (Was dann aber nicht so ist.)


Aber von der Strecke her eine Punktlandung:

99,95 km bis zum Hotel. Die letzten 50 Meter sind dem Weg in die Velogarage geschuldet: Gibt also eine runde Hundert. 


So einsam, wie gedacht habe, ist es heute nun doch nicht gewesen. Da kam schon immer mal wieder ein Dorf oder ein Städtchen. Das hat auch seine Annehmlichkeiten.