Man kann es drehen und wenden, wie man will: Griechenland ist nicht grad um die Ecke. Aber alles irgendwie der Reihe nach – und alles kurz begründen:
Es beginnt ja schon mal damit, damit ich zuerst nach Schlieren kommen muss, damit der Zürichsee dann auch mal ein Ende finden kann und ich ohne Umschweif den Walensee hinter mir lassen kann, damit ich endlich nach Osterreich einreisen kann, nicht ohne vorher rasch Liechtenstein gelängt zu haben. Durch Österreich, das Südtirol und Slowenien musste ich dann einfach, weil ich nach Kroatien muss, und da liegt es dann nicht mehr fern, nach einem Spickel Bosnien zurück nach Kroatien und von da nach Montenegro und sodann nach Albanien zu kurven, wo ich dann den Abstecher über Italien einschiebe, damit ich mit einem Schwenker nach Griecheland komme. Ja, so genau war das. Fast. So ein bisschen das Gerüst, die Skizze
Die Farben zum Ausmalen brauchen mehr Zeit.
Da sind viele Kurven eingebaut, die um grüne, bewaldete Hügel, garstig-karstige Felsen und entlang von Flüssen oder der Küste führten.
Da sind die Dörfer, viele davon einfach mit einer Strasse und ein paar darum herumgruppierten Häusern, andere hatten wirklich so eine Art Zentrum, in dem man auch einen Laden oder sogar eine Beiz finden konnte.
Und natürlich die kleinen Städte, wo schon ein bisschen mehr Leben herrschte, die grösseren, wo man so richtige Menschenansammlungen beobachten kann, und dann die grossen, in denen das Leben pulsiert und der Verkehr meinen Puls in die Höhe jagt.
Dann ein Portemonnaie, dass eine Ehrenrunde über den Polizeiposten von Xylokastro gemacht hat,
Die Sonnenuntergänge an der Adria, die kühlen Herbstabende nach den sommerlich heissen Tagen.
Die Aussichten über die steilen Küsten, der dringend nötige Wassernachschub für mein Wohlergehen, die Hungerzweiglein, -äste und -bäume. Immer wieder die Farben und Gerüche von Sommer.
Aber auch das manchmal nervige Knirschen meines Riemens bei den Anstiegen, das Surren der Pneus beim Hinunterfräsen, die Stille beim Pausieren.
Die Lastwagen, die zu nahe überholten und das Warnhupen der Autos. Die Blicke in den Rückspiegel, und – zu häufig – auf den Tacho resp. Kilometerzähler.
Mit der Zeit habe ich von Komoot ein bisschen emanzipiert und wagte es recht häufig, seine Befehle mit Missachtung zu strafen. Zu häufig hat es mich sinnlos auf irgendwelche Dorfplätze geführt, die zwar hübsch und ganz nett sind, aber den Schweiss eben doch nicht so wert, den die Anstrengung zu ihnen hoch aus meinen Poren treibt.
Dass Griechenland nicht um die Ecke ist, habe ich glaub schon gesagt. Weitere Erkenntnisse dieser Reise:
Ein Zelt dabei zu haben, ist ungemein beruhigend. Leider auch im Bezug aufs Bergauffahrten. Der Kocher und das ganze Gedöhns leider nur im Bezug auf Bergauffahrten.
Gegenwind ist generell viel stärker als Rückenwind. Also so ganz generell.
Höhenmeter am Stück sind einfacher als die Häppchen auf- und abwärts. Auch wenn man für Letzteres beim Abwärtsfahren eigentlich Anlauf nehmen kann.
Sehr oft sind die schönsten Landschaften die anstrengendsten. Das macht sie manchmal fast noch schöner.
Die Chauffeure in Kroatien, Montenegro und Albanien haben meist Längere, als sie glauben – also: Sattelauflieger.
Ich glaube nicht, dass Udo Jürgens wirklich in Griechenland war. Griechischer Wein ist nicht so fein, dass man umsverrecken ein Lied darüber schreiben müsste. Jedenfalls nicht der, den ich amix hatte.
Das alles lernte ich in den 43 Tagen, auf 2264 Kilometern und 22060 Höhenmetern.
Ganz sicher noch viel mehr. Einiges habe ich – gemein, gell? – bewusst weggelassen. Anderes scheint mir gerade nicht allzu wichtig. Noch anderes kriege ich selbst noch nicht auf die Reihe, Und noch anderes muss ich wohl selbst noch rausfinden, was es denn war.
PS: Bari–Durrëš–Patras. Das hole ich nach. Wer kommt mit?